Allgemeines zum Fach

Auf den folgenden Seiten informieren wir Sie über die Arbeitsschwerpunkte der Fachschaft Politik & Wirtschaft.

aktuell: Die Teilnehmer der Projektfahrt Berlin 2016 zu Besuch bei einer Frankfurter Abgeordneten des Deutschen Bundestags

Der Leistungskurs Politik & Wirtschaft Q2 im April 2016 zu Besuch bei einem Landtagsabgeordneten in Wiesbaden

Landtagsabgeordneter

hier geht es zum Bericht auf die Seite des Abgeordneten.

Schülerinnen und Schüler diskutierten am 06.07.2015 mit dem US-Botschafter über TTIP

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Zur Podiumsdiskussion am 29.08.2013 im Rahmen der WAHL GANG lesen Sie Lions Bericht:

Vom Bundestag in die Aula

Am Donnerstag, den 29.08.2013, fand die Podiumsdiskussion zwischen hessischen Kandidaten für die diesjährige Bundestagswahl im Rahmen der Aktion „Wahl Gang 2013“ von 14:00-16:00 Uhr in der Aula der Helmholtzschule Frankfurt statt. Neben den 250 Helmholtzschülern wurden auch insgesamt 150 Gäste aus der Waldorfschule, Schillerschule, Wöhlerschule, Carl-von-Weinberg-Schule und der  Freiherr-vom-Stein-Schule eingeladen. Moderiert wurde die Debatte von Berna Sucukcuoglu (Q3) und Jan Steinbach (Q3). Für ihre Parteien sind angetreten: Wolfgang Gehrcke (Die Linke), Ulrike Nissen (SPD), Nicole Maisch (Grüne),  Dr. Matthias Zimmer (CDU) und Hans-Joachim Otto (FDP). Die Themen der Diskussion waren das Wahlrecht mit 16 Jahren, die Optionspflicht bei mehreren Staatsbürgerschaften, die Regulierung weicher Drogen und das dreigliedrige Schulsystem.

14:05 Uhr,  es ist deutlich leiser in der Aula geworden, der Schulleiter der Podiumsdiskussion1Helmholtzschule, Herr Ulmke, spricht einleitende Worte. Alle  Schüler im Saal sollen ermutigt sein sich in die Diskussion einzubringen. Dann wird eine Leinwand ausgefahren, die Organisatoren der „Politikfabrik“ spielen einen Werbeclip ab. Junge Menschen werden darauf gezeigt, sie haben zwar die Wahl, aber keine Stimme, dafür kleine Kreidetafeln; weiß auf schwarz stehen darauf die Gründe, wieso wir zur Wahl gehen sollen. Als das Bild weg ist, liegt der Fokus des Publikums wieder auf den Kandidaten und den Moderatoren. Berna und Jan stellen jetzt die Diskussionsteilnehmer vor. Diese erhalten kurz darauf die Möglichkeit sich selbst innerhalb von 30 Sekunden zu charakterisieren. Gehrcke möchte eine Welt ohne Krieg. Nissen kämpft für die, denen es schlecht geht. Maisch möchte die Umwelt für die zukünftigen Generationen erhalten. Zimmer will träumen, aber nicht den Bezug zur Realität verlieren. Ist das ein Seitenhieb auf die Linke, der oft unterstellt wird realitätsfern zu sein? Den Abschluss der Runde macht FDP-Kandidat Otto, sein Ziel ist es, Freiheit und Verantwortung in Einklang zu bringen.

Podiumsdiskussion2Sollte man das Wahlrecht ab 16 Jahren festlegen? Zimmer und Otto sprechen sich dagegen aus, sie argumentieren damit, dass Geschäftsfähigkeit und Volljährigkeit Richtwerte für ein reifes Individuum seien, das sich auch mit komplexen politischen Themen auseinandersetzen kann, auch in anderen Staaten würden diese Kriterien angewandt. Otto fühlt sich auch dadurch bestätigt, dass bei Kommunalwahlen schon das Wahlrecht mit 16 Jahren eingeführt wurde, sich aber die niedrige Wahlbeteiligung nicht geändert habe. Gehrcke hingegen möchte nicht nur das Wahlrecht mit 16 Jahren, sondern auch für alle in Deutschland Lebenden. Maisch und Nissen sind auch für das Wahlrecht mit 16. Maisch argumentiert vor allem mit der Kompetenz und Verantwortung, die man mit 16 Jahren schon auf dem Arbeitsmarkt zeigen muss, sie schafft es, viele Argumente der Gegenseite mit Fakten zu entkräften. Nissen wirbt mit dem SPD-Programm, in dem die Wahl mit 16 Thema ist. Sie selbst hat sich früh für Politik interessiert.  Die Moderatorin fragt jetzt CDU und FDP, ob dann nicht auch eine Altersobergrenze vonnöten sei, Otto und Zimmer verneinen. Jetzt kommt auch die Nachfrage von Jan, ob die Politik generationengerecht ist, wenn Jugendliche in den Wahlprozess nicht miteinbezogen werden. Zimmer zeigt auf, dass er sich für Themen, die unsere Zukunft betreffen, engagiert. Gehrcke hingegen empfindet dieses Vorgehen als paternalistisch, dass unsere Themen über unsere Köpfe hinweg in der etablierten Politik beschlossen werden.

Richtig kontrovers und polemisch wird die Diskussion beim Thema der Optionspflicht bei doppelten Staatsbürgerschaften. Während Nissen sich von der CDU sabotiert sieht und die Optionspflicht als unangenehmes Gebilde charakterisiert, argumentieren die schwarz-gelben Politiker damit, dass man  durch zwei Staatsbürgerschaften mehr Rechte bekomme und dies anderen Bürgern mit nur einer Staatsbürgerschaft gegenüber ungerecht sei, Zimmer ist auch gegen eine doppelte EU-Staatsbürgerschaft. Maisch erklärt, dass man aber nicht nur mehr Rechte genießt, sondern auch mehr Pflichten auferlegt bekommt und die Staatsbürgerschaft des Heimatlandes legale Ansprüche auf zum Beispiel das Familienerbe ermöglicht, die Ablegung der doppelten Staatsbürgerschaft dann also auch schädigend sein kann. Otto wirft Nissen und der SPD vor die Optionspflicht mitbestimmt zu haben und jetzt opportunistisch zu handeln, was Nissen erzürnt. Auch zwischen Otto und Gehrcke herrscht dicke Luft, weil Gehrcke den patriotischen Gedanken der Staatsbürgerschaft ablehnt und Otto für diesen eintritt. Die Schülermoderatoren schaffen es aber rechtzeitig die Wogen zu glätten. Die vielen Schülernachfragen zu diesem Thema zeigen jedoch nochmal, wie kontrovers es ist und wie viel Redebedarf eigentlich noch besteht.

Podiumsdiskussion3Das nächste Thema ist Drogenpolitik. Hier möchten die Grünen Legalisierung und Entkriminalisierung, aber auch Regulierung und Laborkontrollen von weichen Drogen erreichen und stehen damit im Konsens mit der Kandidatin Nissen. Auch Zimmer will weiche Drogen legalisieren und sie hoch besteuern lassen. Die Steuern sollen dann an die Krankenkassen abgeführt werden. Er geht damit in dieser Frage gegen den Kurs der CDU. Gehrcke möchte nicht so stark die Konsumenten und Dealer auf den unteren Ebenen, sondern die großen Organisationen, die Drogen in großem Maße produzieren, unter Druck setzen.  Otto stellt sich als einziger in der Runde gegen eine Legalisierung weicher Drogen durch den Staat. Damit werde ein falsches Signal über die Harmlosigkeit von Drogen ausgesendet, so Otto.

Letztes Thema ist das dreigliedrige Schulsystem. Gehrcke spricht von einer Auslese. Auch Maisch und Nissen wollen das dreigliedrige System reformieren und zumindest G8 abschaffen. Nissen macht auch deutlich, dass es immer noch schwierig für Kinder von sozial Benachteiligten ist, sich in das Bildungssystem einzufügen. Otto findet hingegen den status quo des Systems beizubehalten  erstrebenswert, um Talente mit der richtigen Schulform zu fördern. Die Kritik an Deutschlands Bildungssystem weist er dem  Lehrermangel und den überfüllten Klassenzimmern zu. Auch Zimmer ist für die Beibehaltung des Systems und zeigt sogar auf, dass das deutsche Bildungssystem nicht nur Kritik, sondern auch Lob verdient hat.

Podiumsdiskussion4Mittlerweile ist es 15:55 Uhr,  die Runde wird von den Moderatoren zum Schlusswort übergeleitet, bei  dem die Kandidaten nochmal in einem letzten Satz für sich und die Partei werben können. Doch ein Schüler meldet sich noch, um eine Frage zum letzten Thema zu stellen.  Kandidat Gehrcke opfert seine Redezeit, um dem Schüler noch seine Frage zu ermöglichen. Das Publikum ist begeistert von solch einer Selbstlosigkeit.

Nachdem der letzte Schlusssatz gesagt worden ist, packen die Politiker zusammen; jetzt haben sie eine weitere Erfahrung im Gepäck. Bei meiner nachherigen Befragung zeigen sich fast alle Kandidaten erfreut über das politische Selbstbewusstsein, das Interesse und die Teilnahmsfreude sowie das fundierte Verständnis des Publikums. Nicht zuletzt hat dazu die gelungene und professionelle Moderation von Berna Sucukcuoglu und Jan Steinbach beigetragen.

Von Lion Tsarfin