Kultur erforschen

Die Helmholtzschule beteiligt sich mit ihren Projektpartnern, dem MMK Museum für Moderne Kunst, dem Schauspiel Frankfurt und dem Filmmuseum Frankfurt, in der deutschlandweiten Initiative Kultur.Forscher! auch in der 3. Projektphase an der Verankerung von forschendem Lernen im Schulunterricht.

Gemeinsam im Museum forschen

 

In enger Zusammenarbeit mit den Kulturinstitutionen werden Möglichkeiten einer langfristigen Kooperation erprobt, um kulturelle Bildung in Schule wie Kulturinstitutionen gemeinsam weiterzuentwickeln. Dabei liegt der Fokus der Helmholtzschule darauf, den Schülerinnen und Schüler einen unmittelbaren, experimentellen Zugang zu kulturellen Phänomenen zu ermöglichen, sie zum eigenständigen und kritischen Forschen anzuleiten und dies zudem im Regelunterricht zu verankern.

2013 wurde auf Initiative des hessischen Netzwerkes von acht Kulturinstitutionen sowie sieben Schulen in Frankfurt und Kassel erstmals die "Kultur.Forscher! Woche" durchgeführt, bei der sich Schülerinnen und Schülern gegenseitig Kulturinstitutionen vorstellten und gemeinsamen Forschungen nachgingen. Die Woche wurde im Juli 2014 unter dem Titel "ZUSAMMEN" fortgeführt. Nach dem offiziellen Projektende von Kulturforscher bundesweit arbeiten die beteiligten Schulen und Kulturinsitutionen in Hessen derzeit an der Ausgestaltung der weiteren Zusammenarbeit im Rahmen eines Referenznetzwerks Kulturforscher!

Das Projekt "ZUSAMMEN" war 2014 Finalist bei den deutschlandweiten Wettbewerben "MIXED UP – Kultur macht Schule" (Wettbewerb der Bundesvereinigung für kulturelle Jugendbildung) sowie bei "Kinder zum Olymp!" (Wettbewerb der Kulturstiftung der Länder).

 

Kulturforscher! im IMAGINÄREN MUSEUM

IMAGINATION/TRANSFORMATION/PERFORMANCE

Schülerinnen und Schüler performen am Abschlusswochenende „Das große Finale im MMK 2"

MMK

Die Ausstellung: Das imaginäre Museum. Werke aus dem Centre Pompidou, der Tate und dem MMK (24. März – 4. Sept. 2016 im MMK 2), ein Kooperationsprojekt der drei europäischen Sammlungen, zeichnete als Szenario das Jahr 2052, in dem die Kunst aus unbenanntem Gründe vom Verschwinden und Museen von der Auslöschung bedroht sein würden. Die Ausstellung zeigte Werke der Gegenwart und jüngeren Kunstgeschichte, die in Bälde für lange oder immer verschwinden würden. Alle Besucher wurden eingeladen, sich – angelehnt an Ray Bradburys „Büchermenschen“ im Science-Fiction-Roman Fahrenheit 451 – durch und während ihres Besuches die Werke zu verinnerlichen, sie somit in und durch die eigene Erinnerung für sich und die Zukunft zu bewahren und auch dorthin zu transportieren. Die Idee eines solchen imaginären Museums wurde am finalen Wochenende nach Ausstellungsschluss umgesetzt, an dem bereits alle Werke verpackt waren und nun von Menschen vertreten werden sollten, die ihre Interpretationen und Erinnerungen wiedergaben und die Kunstwerke somit ins Bewusstsein (zurück) riefen.

18 Schüler_innen stehen still und geordnet in 4 Reihen (order). Auf ein unsichtbares Kommando hin verteilen sie sich im Raum und nehmen unterschiedliche Posen ein (disorder). Es ist die Klasse 8b der Helmholtzschule, die das Kunstwerk Order and Disorder von Alighiero Boetti aus der Ausstellung Das imaginäre Museum im MMK 2 darstellt. Über mehrere Monate wurden verschiedene Kunstwerke im MMK 2 gezeigt. Am Schlusswochenende sollen die bereits weggebrachten Kunstwerke von früheren Besuchern und von Bekannten des MMK 2 nachgespielt, erzählt und gezeichnet werden, um den Besuchern des Schlusswochenendes die Kunstwerke auf verschiedene Weise näherzubringen. Die Klasse 8b hatte sich schon im vorherigen Schuljahr bei zwei Museumsbesuchen vorbereitet und verschiedene Performances ausgedacht und eingeübt, von denen sie später am besagten Wochenende zwei vorstellen sollte.

Lotte Fabinski, Philipp Bauknecht, Ruben Leischner, 8b

Am Tag der Aufführung gingen wir noch einmal die Choreografie durch. Als erstes führten wir unsere Choreografie zu dem Kunstwerk Order and Disorder vor. Als das Publikum kam, waren wir alle trotz der Aufregung sehr konzentriert. Wir waren so vertieft in die Aufführung, dass wir beim ersten Durchgang gar nicht bemerkten, dass eine Gruppe von Menschen um uns eine Kettenreaktion vorführte. Am schwersten war es, dass wir uns alle nach einer bestimmten Zeit in der Mitte treffen sollten. Nach beiden Durchgängen zu diesem Kunstwerk hatten wir eine kleine Pause. Nach der Pause führten wir unsere Choreografie zum Kunstwerk Present Continuous Past(s) vor. Bei dieser Aufführung ist die Aufregung schon ein bisschen verflogen. Am schwersten war es, dass alle den gleichen Zeitabstand zwischen einander einhalten mussten und wir einen gemeinsamen Rhythmus einhielten. Insgesamt haben die Aufführungen viel Spaß gemacht.

Hermela Tsegai, Anissa El Mahjoub, 8b

Filmrückblick: http://mmk-frankfurt.de/de/social-media/das-imaginaere-museum/

Die Performance der Schülerinnen und Schüler zum Werk Order and Disorder hat in besonderer Weise dieses schöne Bild von der Unordnung in der Ordnung, die Ordnung in der Unordnung transportiert. Die einzelnen Werkelemente durch die Schüler und Schülern repräsentiert zu sehen, hat unmittelbar für mich die vielfältigen und komplexen Aspekte und Fragen zum Verhältnis und miteinander von Individuum und Masse hergestellt - gerade als aktuelles Thema des Jugendalters aber auch darüber hinaus. "Ein starkes Bild" sagte auch Kurator Peter Gorschlüter zur Performance.“

Katharina Mantel, Kunstvermittlerin MMK

In der Ausstellung arbeiteten wir nach dem Ansatz ästhetischer Forschung mit verschiedenen Lerngruppen. Sowohl der Kunst-Leistungskurs/ Q4 wie auch die Kulturforscher! der 7b erarbeiteten sich ausgewählte Werke mittels kreativer Schreibaufgaben, zeichnerischer Erkundungen und durch performative Übersetzungen des Wahrgenommenen. Begleitet wurden wir  - wie in zahlreichen Kulturforscher!-Projekten zuvor - von Christine Haas, Junges Schauspiel/ Schauspiel Frankfurt und Katharina Mantel, MMK. Gemeinsam untersuchten die Schülerinnen und Schüler konzentriert die formalen Bedingungen wie auch die Inhalte, mit denen sie sich im Kontext der jeweiligen Kunstwerke konfrontiert sahen. Dass die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8b den Mut hatten, bei dem gut besuchten Abschluss-Wochenende mit einer selbst erdachten und eigenständig geleiteten Performance öffentlich aufzutreten, war nicht selbstverständlich – um so schöner war es zu sehen, dass und wie sie es hinbekommen haben.“

 Tina Baumung, Kunstlehrerin

Ich hatte große Lust, mich mit meiner Klasse – damals 7b - an den Kulturforschern zu beteiligen. Die Verknüpfung mit meinem Fach Mathematik und seinem doch rigiden Lehrplan gelang mir nicht gut, dennoch konnte ich das kulturelle Forschen der Schüler*innen begleiten. Im MMK 2 unter der Leitung von Katharina Mantel haben sich die Schüler*innen mit modernen Kunstwerken auseinandergesetzt, um sie anschließend in einer eigenen Interpretation darzustellen. Als skeptische Lehrerin dachte ich noch: Mit der modernen Kunst können die doch nix anfangen. Weit gefehlt. Order and Disorder haben meine damaligen Schüler*innen auf beeindruckende Weise umgesetzt. Ebenso toll haben sie Dan Grahams Videoinstallation Present Continuous Past(s) (1974) in einer konzentrierten Performance dargestellt. Und berührend war der innere Monolog einer Kartoffel, die sich an einem Draht um eine zweite Kartoffel dreht. (Sigmar Polke: Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere Kartoffel umkreisen kann). Ihre Performances zu Order and Disorder und Present Continuous Past(s) haben die Schüler*innen der nunmehr 8. Klasse an einem Samstag im September der Öffentlichkeit gezeigt. Statt der ursprünglichen Kunstwerke standen meine Ex-Schüler*innen da: Hochkonzentriert und sehr souverän waren sie an diesem Tag Kunstwerk. Während der Präsentationen im MMK habe ich gedacht, dass die Idee des imaginären Museums grandios ist, um Leute dazu zu bringen, sich mit den modernen Kunstwerken auseinanderzusetzen. Ebenso grandios fand ich, dass die Schüler*innen die Kunstwerke auf ihre so eigene Weise treffend wiedergeben konnten und mich mit ihrer künstlerischen Arbeit sehr beeindruckt haben.

Dr. Frauke Böttcher; Klassenlehrerin